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Brückners Zeitzeichen

Ticken Uhreninvestoren noch richtig?

Wenn die Börsenkurse so tief sinken wie das Vertrauen der Anleger, wenn solide geglaubte Banken zusammenbrechen und sogar der Chefredakteur einer angesehenen deutschen Finanzzeitung der Bundesbank empfiehlt, vorsorglich schon mal DM-Noten drucken zu lassen, dann ist es allemal Zeit, eine Frage zu stellen, die in der einen oder anderen Weise den privilegierten Teil der Menschheit schon seit Jahrhunderten umtreibt: Wohin mit dem Geld? Dann melden sich häufig Kollegen aus der Wirtschaftspresse bei mir, die wissen möchten, ob denn vielleicht kostbare Uhren als Kapitalanlage taugen. Schließlich liest man immer wieder von Rekordsummen, die auf Auktionen erzielt werden. Also: Raus aus Aktien und Ramschanleihen, weg mit der verpfuschten Immobilie, bei der schon nach zwölf Jahren das Dach erneuert werden muss?

Gemach! Uhren sind grundsätzlich keine alternative Form der Geldanlage. Aber oft eine additive Form, sprich: eine tickende Depotbeimischung. Uhren werden nicht hergestellt, um mit ihnen zu spekulieren. Auch Wein und Whisky dienen bekanntlich anderen Zwecken als der Kapitalanlage. Dennoch gab es bei einigen dieser flüssigen Preziosen in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Preissteigerungen. Gleiches trifft auf Uhren zu. Wer sie kauft, setzt auf die mechanischen Raffinessen, auf das Design oder auf die Marke. Die Frage des Werterhalts oder sogar die Hoffnung auf Wertsteigerung schwingen allenfalls im Hintergrund mit.

Wer sich diesem Thema somit nüchtern nähert und sich nicht von unrealistischen Renditeerwartungen narkotisieren lässt, kann durchaus zu der Einschätzung gelangen, dass es vielleicht Sinn macht, einen überschaubaren Teil des Vermögens in alte oder auch zeitgenössische Uhren zu investieren. Die wichtigsten Einwände lassen sich, wie ich meine, recht überzeugend widerlegen.

  1. Einwand: Manche Nobeluhren verlieren schon nach wenigen Jahren 60 bis 70 Prozent ihres Wertes. Kann man da wirklich von einer Kapitalanlage sprechen? Natürlich, das kann passieren. Wenn man auf die falschen Marken oder Modelle setzt. Aber bekanntlich birgt jede Form der Kapitalanlage Risiken. Wer im Jahr 2000 Aktien der Deutschen Telekom im Wert von 100.000 Euro kaufte, hatte 2009 gerade noch 13.500 Euro im Depot. Und sogar ein scheinbar so stocksolider Blue chip wie die Allianz-Aktie büßte in dieser Zeit rund 75 Prozent ihres Wertes ein.  Rät deshalb irgendjemand generell von Aktien ab?

  2. Einwand: Wer in Uhren investiert, muss auf laufende Erträge wie Zinsen und Dividenden verzichten. Das trifft in der Tat zu, sieht man von der emotionalen Rendite einmal ab. Aber auch beim Kauf von Goldbarren oder anderen Edelmetallen muss der Anleger in dieser Hinsicht Verzicht üben. Er setzt ausschließlich auf Preissteigerungen. Rät deshalb jemand von Gold ab?

  3. Einwand: Uhren sind ein typisches Sweatheart-Investment. Liebe macht bekanntlich blind. Doch sollte man sein Geld immer mit kühlem Kopf anlegen. Ohne Frage ist jeder Uhrenkauf eine emotionale Entscheidung. Gleiches trifft auf den Erwerb von Immobilien zu. Niemand verliebt sich in ein Ingenieurs-Gutachten, viel eher schon in eine traumhafte Lage und gelungene Architektur. Rät deshalb jemand von Immobilien ab?

  4. Einwand: Die Fungibilität von Uhren als Kapitalanlage ist stark eingeschränkt. Im Klartext: Es kann lange dauern, bis man seinen Nobelticker wieder zu Geld machen kann. Das stimmt nur eingeschränkt, manche Marken oder Modelle lassen sich auf dem Sekundärmarkt meist kurzfristig und zu guten Preisen verkaufen. Aber mit der Fungibilität ist das so eine Sache. In den vergangenen Jahren wurden große deutsche Immobilienfonds geschlossen. Die Anleger kamen monatelang nicht an ihr Geld. Noch länger konnten deutsche Kunden nicht über ihre bei der insolventen isländischen Kaupthing-Bank eingezahlten Spargroschen verfügen. Rät deshalb irgendjemand von Immobilienfonds oder Tagesgeldkonten ab?

  5. Einwand: Uhrensammeln ist mit hohen laufenden Kosten für Revisionen, Versicherungen, Miete für den Banksafe usw. verbunden. Mag sein, aber diese Kosten sind transparent. Mancher Anleger ist überrascht, wenn er alle Kosten eines Investmentfonds – vom Ausgabeaufschlag bis hin zur Management-Fee – zusammenrechnet. Von der steuerlichen Belastung der Erträge ganz zu schweigen. Empfiehlt daher irgendjemand, die Finger von Fonds zu lassen?

Es spricht mithin kaum etwas dagegen, einen kleinen Teil seines Vermögens in Uhren anzulegen. Mit einer Ausnahme: Wer keine persönliche Affinität zu den mechanischen Meisterwerken hat, sollte auch nicht mit ihnen spekulieren. Er würde nämlich nie eine emotionale Rendite einfahren.