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Tausende geschädigte Kunden

Topseconds: Millionenbetrug mit Armbanduhren bei Ebay immer wahrscheinlicher

Seit 17. Dezember 2008 ist es offiziell: das Insolvenzeröffnungsverfahren gegen die Firma Topseconds GmbH ist eingeleitet worden. Es scheint, dass die Verdachtsmomente und Vorwürfe gegen Topseconds sich bestätigen und bei Ebay-Kunden ein Schaden in Millionenhöhe durch Betrug entstanden ist. Im Rahmen der Ermittlungen wegen Betrugsverdachts haben Staatsanwaltschaft und Polizei am 18. Dezember mehrere Gebäude durchsucht, darunter einen ehemaligen Firmensitz in Rheinbach. Immer noch warten tausende Ebay-Kunden auf die bereits bezahlten Uhren der Firma Topseconds GmbH.

Was ist passiert?

Am 04.12.2008 wurde der Powerseller „topseconds“, der seit mehreren Jahren Modeuhren der Marken Dolce & Gabbana sowie Armani bei Ebay verkaufte, plötzlich gesperrt. Da der Händler seine eigene Lieferzeit im Kleingedruckten mit langen 10 - 12 Werktagen angegeben hat, ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Sperrung etwa 15.000 bis 20.000 Uhren noch nicht ausgeliefert waren. Der Schaden soll sich auf 1,4 Millionen Euro belaufen.

In den beiden letzten Wochen vor der Sperrung des Accounts, hatte dann die Firma Topseconds die Angebotsmenge auf dem Auktionshaus Ebay sehr stark erhöht. Bis zu diesem Zeitpunkt galt der Anbieter als vertrauenswürdig und die Käufer waren überwiegend mit den Produkten zufrieden.

Hohe Verluste

Die im elektronischen Bundesanzeiger einsehbare Unternehmensbilanz der Topseconds GmbH wies im Jahr 2007 Verluste aus. Die Firma hatte über eine Million Euro Verbindlichkeiten und kein nennenswertes Eigenkapital. Zudem hatte sich der Geschäftsführer / Gesellschafter ein größeres Darlehen aus der Firmenkasse genehmigt. Die Geldprobleme hatten die Geschäftsführer wohl zu dem betrügerischen Massenverkauf getrieben. Anfang November 2008 gab es dann auch einen Wechsel in der Geschäftsführung der Topseconds GmbH. In den Angeboten bei eBay wurde aber bis in den Dezember noch der Name des alten Geschäftsführers Kurdo Homam-Ghazi - ein Bonner Student - angezeigt.

Über den ebenfalls gesperrten Zweitaccount „gesehen-geboten-gewonnen“ hat Topseconds eine Stellungnahme im Sicherheitsforum von Ebay Deutschland abgegeben. Der Geschäftsführer schildert die Hintergründe der Sperrung aus seiner Sicht. Zur Sperrung bei Ebay wäre es gekommen, weil man einer Frist von Ebay nicht nachgekommen sei, Rechnungen als Echtheitsbeleg für die Uhren vorzulegen. Konkrete Aussagen über die Auslieferungen der bezahlten Uhren machte Topseconds allerdings nicht. Die erhoffte Auslieferung dürfte sich mit der Insolvenz aber für die Kunden endgültig erledigt haben.

Was betroffene Kunden tun können

Für die betroffenen Kunden ist der Fall besonders bitter. Schutzmaßnahmen wie der PayPal-Käuferschutz greifen nicht, weil Topseconds die Ebay-eigene Bezahloption nicht angeboten hatte. Den einfachen Käuferschutz, der auch ohne Zahlung per PayPal gilt, hat Ebay abgeschafft. Die Ermittler der Polizei bitten Betroffene jedoch, sich an ihre örtliche Polizeidienststelle zu wenden und dort Anzeige zu erstatten. Die Anzeigen werden von dort an die zuständige Polizei in Bonn weitergeleitet. Alternativ können Geschädigte auch online eine Anzeige bei der Bonner Polizei erstatten. Für dringende Fälle hat die Bonner Polizei eine Hotline unter der Telefonnummer 0228 15-7979 eingerichtet, die täglich in der Zeit von 08.30 bis 15.30 Uhr an Wochentagen besetzt ist.

Weitere Informationen:

Filmbeitrag RTL: http://rtl-now.rtl.de/

"…Ebay-Abzocke: Zwei Brüder ergaunern 1,2 Millionen Euro: 10.000 Ebay-Kunden sind in den letzten 14 Tagen auf ein Brüderpaar hereingefallen, das auf der Auktionsplattform insgesamt 25.000 Designer-Uhren im Wert von 1,2 Millionen Euro unter dem Pseudonym ‘Topseconds’ verkauft hat. Hinter der Firma stehen Kurdo G. und sein Bruder. Bei der Polizei Bonn häufen sich nun die Anzeigen. "Bei uns sind mittlerweile über 50 Anzeigen eingegangen von Käufern, die sich betrogen fühlen", sagt Christian Grässler. "Darüber hinaus wird die Hotline, die wir geschaltet haben, sehr stark frequentiert. Die beiden Brüder lockten die Kunden mit unglaublichen Schnäppchen. Die Uhren boten sie für 50 Euro pro Stück an - bis zu 60 Prozent billiger als im Handel. Für Experten ist dies ein klares Warnzeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmen kann…" (Quelle und Originaltext: rtl.de)

Insolvenzeröffnung vom 17.12.2008

"Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen: 98 IN 275/08
In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der im Handelsregister des Amtsgerichts Bonn unter HRB 13374 eingetragenen topseconds GmbH, Broichstraße 79, 53227 Bonn, gesetzlich vertreten durch den Geschäftsführer Kawa Homam-Ghazi, Broichstraße 79, 53227 Bonn

Geschäftszweig: Der Im- und Export sowie der Handel mit Uhren, Textilien, elektrischen Geräten, Baumaschinen, Möbeln sowie Autoteilen ist am 17.12.2008, um 10:16 Uhr angeordnet worden (§§ 21, 22 InsO):

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dirk Obermüller, Godesberger Allee 125-127, 53175 Bonn bestellt.Verfügungen der Schuldnerin über Gegenstände ihres Vermögens sind nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam (§ 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO)."