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Feldversuch: No-name Uhren, Schnäppchen & Uhren-Sonderangebote

Als Jurist und Uhrensammler verstehe ich sehr gut, warum TrustedWatch über einige Uhrenmarken nicht berichten möchte – als Kolumnist darf ich dieses jedoch.

Aktuell habe ich einen „Feldversuch“ gestartet und ersteigere bewusst kostengünstige Automatikuhren. Unter renommiert klingenden Namen werden von den Verkäufern zahlreiche Dinge versprochen – wir wollen einmal sehen, ob diese auch gehalten werden:

Ich beginne mit einer mir auf diesem Wege „zugelaufenen“ Uhr eines Uhrenherstellers namens Rothenschild. Das Model trägt den Namen „Crusader“ – was zumindest im Hinblick auf das Gewicht interessante Denkmodelle zulässt. So schwer, wie das Gehäuse der Uhr ist, trägt ein Feind, so man sie ihm nachwirft, sicherlich erhebliche Verletzungen davon. Bei Amazon findet man dieses Modell derzeit zu einem Preis von 289,95 Euro – der angeblich ursprüngliche Kaufpreis von 544,00 Euro ist gestrichen. Belustigendes am Rande: Unter dem skandinavisch klingenden Namen Astboerg wird diese Uhr um 0,95 Cent günstiger, nämlich für 289,00 Euro angeboten. Geworben wird hier noch mit einem „Megalock“ – System, auf das die Marke Astboerg sogar ein Copyright besitzen soll.

Merke: Namen sind Schall und Rauch - möglicherweise liegt die Wiege der Zeitmesser in einer Gegend, in der weit mehr als eine Milliarde Menschen mit bestimmter Augenstellung leben.

Ich habe die Uhr gebraucht um etwas über 70,00 Euro ersteigert und halte folgendes fest:

  • Das Automatikwerk (mit offener Unruh ) funktioniert – immerhin schon etwas!
  • Über Gangwerte möchte ich mich nicht verbreiten – ich erwarte hier nichts, was auch nur annähernd in Richtung Chronometer weist.
  • Bei der Befestigung der verschiedenen Teile der Lünette stellt man sehr schnell fest, dass hier Billigverarbeitung vorherrscht – die eingesenkten Schrauben sind teilweise beschädigt.
  • Das „Großdatum“ ist zwar lesbar, jedoch stehen die Zahlen nicht korrekt in den Fenstern.
  • Relativ gut gemacht wurde das Lederband – hier mutierte mittels Druck die Haut einer toten Kuh zu der eines (immer noch toten) Krokodils.
  • Auch die Schmetterlingsschließe, ihrerseits mattiert, erfüllt ihre Funktion.

Wer auffällige Uhren liebt, mag mit einem solchen Kaliber zurechtkommen – ob die Uhr jedoch 544,00 Euro oder immerhin noch knapp 300,00 Euro wert ist, entscheide jeder selbst.

Weiter geht der Selbstversuch mit einem Vollkalendarium des Herstellers „Feinwerk“ – der unter dem Namen auf dem Zifferblatt auch noch „Germany“ aufdruckt. Auch diese Uhr habe ich um ca. 80,00 Euro auf einer Internetplattform ersteigert – der Verkäufer lieferte prompt. Die gelieferte Uhr verfügt tatsächlich über alle Funktionen ( das Jahr wird ebenso wie der Monat, der Wochentag und das Datum angezeigt – der Zeiger der 24-Stunden-Anzeige ist mit einer Scheibe, die Tag und Nacht in einem Fensterausschnitt symbolisiert, verbunden ).

Zum Erbstück taugt die Uhr jedoch nicht – wer die Uhr vor dem Jahr 2007 erwerben wollte, konnte sich das Jahr nicht anzeigen lassen – nach dem Jahr 2018 ist die Uhr diesbezüglich ebenfalls wertlos. Da ich selbst das Vollkalendarium von IWC ( Da Vinci ) besitze, ist mir bekannt, dass eine solche Uhr durchaus vererbt werden kann – bei dieser muss nach meiner Erinnerung erst im Jahr 2199 ein Eingriff hinsichtlich der Jahreszahl erfolgen – bis zu diesem Zeitpunkt wird das Jahr zuverlässig mechanisch angezeigt. Dreht man die „Feinwerk“ um, sieht man durch Glas auf ein einfach gestaltetes Werk und liest die Gravur „Limited Edition“. Auch soll die Uhr waterresistend bis 5 Atmosphären sein  ich werde es garantiert nicht ausprobieren. Das Lederband ist störrisch und nachlässig verarbeitet – die Faltschließe ( ohne Sicherung ) wirkt schlichtweg „billig“ und ist es wohl auch. Dieser Eindruck wird beim Tragen der Uhr bedauerlicherweise noch durch ein gewölbtes Glas und eine polierte Lünette sowie die Tatsache, dass das „rosegold–farbene“ Gehäuse wie Kupfer wirkt, verstärkt.

Wie es sich für einen guten Kolumnisten gehört, enthalte ich mich persönlich der Meinung sondern buche dieses Exemplar unter der Rubrik „Wem´s gefällt, der soll es tragen!“

Ihr Michael Winter